Vergleich zwischen physikalisch-technischem

Assistenten und FH (HS) - Absolventen

 

PhyTA ist die gängige Abkürzung für physikalisch-technische Assistenten, wie sie an der Schule in Isny verwendet wird. Früher war zusätzlich bei uns die Abkürzung PhTA in Gebrauch, diese kann aber zur Verwechselung mit dem PTA (pharmazeutisch-technischen Assistenten) führen. Daher sollte man PhyTA als Abkürzung vorziehen.

Leider bewerten die Personalverantwortlichen im öffentlichen Bereich einen FH-Abschluss unrealistisch hoch. Dabei war es zu meiner Schulzeit noch ein Unding, FH-Absolventen als Akademiker zu bezeichnen. Dass heutzutage von dieser Praxis abgewichen wird, hat m. E. absolut nichts mit der Qualität von FH-Studiengängen zu tun, denn diese ist nun wirklich nicht besser geworden – im Gegenteil. Für mich ist der FH-Abschluss daher von den Verantwortlichen hoffnungslos überbewertet.

Um den PhyTA mit FH-Absolventen vergleichen zu können sollte man natürlich beide Ausbildungen, möglichst aus eigener Erfahrung, kennen. Das wäre der Idealfall.  Leider entspricht von den Verantwortlichen niemand diesem Kriterium. Ich bin ausgebildeter PhyTA und arbeite an einer FH, weiß somit was unsere Absolventen/innen können, bzw. was diese nicht können und zusätzlich studiere ich an einer anderen FH berufsbegleitend (trotz eines relativ hohen Alters) Elektrotechnik und komme dabei mit dem Wissen aus meiner ersten Berufsausbildung mehr als nur gut zurecht. Eigentlich ist es sogar außerordentlich langweilig das gleiche Wissen immer wieder noch einmal vorgekaut zu bekommen; damit hatte mein Mathematikprofessor recht, der meinte nämlich anfangs, dass es für einen PhyTA überwiegend eintönig werden würde, da ich ja schon alles kennen würde (weshalb ich, wie gerade auch, zwischenzeitlich Urlaubssemester einlege um meine Motivation nicht gänzlich zu verlieren). Unterschiede in der Qualität der Ausbildungsinhalte sind nur marginal vorhanden, und zwar in Richtung beider Ausbildungstypen, je nach Präferenz der einzelnen Dozenten. Jedenfalls können sich physikalisch-technische Assistenten in alle Aufgabengebiete ingenieurmäßig in sehr kurzer Zeit einarbeiten.

Natürlich könnte man nun damit beginnen ganze Studiengänge und Inhalte mit der PhyTA-Ausbildung zu vergleichen (die Unterlagen aller meiner Ausbildungen befinden sich noch in meinem Besitz), was leicht wäre, jedoch auch eintönig und völlig unnötig, da damit nur fachkundige Experten und nicht selbsternannte etwas anfangen können. Beschränken wir die Betrachtung also zunächst auf das Fach Mathematik. Wir haben damals z. B. Vektoranalysis (div, rot, grad) abgehandelt, auch Fourier Analyse, Fourier Transformation und Laplace Transformation inklusive deren Anwendungen bei der Lösung von Differentialgleichungen sind für uns keine Unbekannten. Wir kennen sogar den Unterschied zwischen einer Taylorreihe und einer Maclaurinreihe. Unsere Studierenden (Bauingenieure) lernen diese Art Mathematik (wohlgemerkt, nicht einmal alles davon!) erst ansatzweise im Masterstudiengang und keinesfalls während der Ausbildung zum Bachelor. Dies als kleines Beispiel.

Meister und Techniker (nach dem DQR übrigens unsinniger Weise höher eingestuft als der PhyTA) haben davon noch nie etwas gehört, geschweige denn damit gearbeitet. Das spricht für mich nicht gerade für die "umfassenden" Kenntnisse dieser Berufsgruppen. Dafür sind die Voraussetzungen zu unterschiedlich, was jedoch die DQR-Kommission offensichtlich nicht interessiert hat, oder man hat das absichtlich ignoriert. Für die mangelnde Objektivität des DQR spricht auch die Tatsache, dass die IHK damit wirbt, dass der technische Betriebswirt (IHK) im DQR auf Masterniveau (Stufe 7) geführt wird. Absurd!

Eine kleine Literaturliste unserer damaligen (und heutigen) Lehrbücher kann ebenfalls als kleiner Indizienbeweis für eine zum Ingenieur äquivalente Ausbildung gesehen werden. Zumindest ist das ein Ausschnitt der Bücher, die noch in meinem Besitz sind, oder die in den Blättern zur Berufskunde aufgeführt sind. Hier die Literatur:

    Organische Chemie : Jander, Blasius
    Anorganische Chemie : Holleman, Wiberg
    Physikalische Chemie : Näser
    Physikalische Chemie : Kaiser / Henning
    Mathematik für Ingenieure 1 bis 3: Papula
    Lehr- und Übungsbuch Mathematik I - III : Leupold / Georgi
    Physik für Ingenieure : Lindner
    Physik für Ingenieure : Dobrinski, Krakau, Vogel
    Praktikum der Physik : Walcher
    Physikalisches Praktikum : Ulrich
    Physik , Optik : Recknagel
    Technische Mechanik starrer Körper : Rödel
    Mechanik und Festigkeitslehre : Böge
    Technische Akustik : Veit
    Elektrotechnik : Zastrow
    Grundlagen der Elektrotechnik : Fricke
    Elektr. Messen nichteletr. Größen : Thiel

Auch diese Aufzählung lässt sich beliebig erweitern, ist aber auch zu langatmig und für den ersten Eindruck kann man aus der kleinen Auswahl sicher durchaus bereits Rückschlüsse auf die Qualität der Ausbildung zum PhyTA ziehen, da diese Literatur auch bei der Ausbildung an Fachhochschulen eingesetzt wird. Wo sollen da also große Unterschiede der beiden Ausbildungstypen herkommen?

Unsere Ausbildung im Fach Chemie war, für physikalisch-technische Assistenten, relativ anspruchsvoll. Wir haben im ersten Halbjahr der Ausbildung im Chemielabor qualitative und quantitative Analysen durchgeführt (einschließlich der theoretischen Grundlagen). Ich erwähne das, da im Downloadbereich ein Auszug einer Klausur vorhanden ist, die u. a. das Fach Umweltchemie abdeckt - für Bauingenieure wohlgemerkt . Dort war als Hilfsmittel sogar ein Periodensystem der Elemente beigefügt. Einfach mal schauen und nachvollziehen, was mit dieser Anmerkung gemeint sein könnte.

Während die Bezahlung für PhyTA bei öffentlichen Arbeitgebern laut Entgeltordnung mit EG 9, maximal EG 10 an Schulen für technische Assistenten, erschöpft ist (für Meister und Techniker ist laut Entgeltordnung schon bei EG 9, Stufe 4 (neuerdings EG 9a) das Ende der Fahnenstange erreicht - so viel nochmals zu deren besserer Einstufung im DQR), werden in der gewerblichen Wirtschaft immer mehr Stellen z. B. für technische Assistenten und FH-Absolventen ausgeschrieben (nicht: FH-Absolventen und technische Assistenten!). Öffentliche Arbeitgeber konnten sich bisher an diese Umstände nicht anpassen und davon lösen, dass die Entgeltordnung nicht das Maximum, sondern das absolute Minimum dessen darstellt, was an Gehalt gezahlt werden muss. Vor allem die Beurteilung der Qualifikation durch Personalsachbearbeiter, die selbst nicht studiert haben, sondern im Extremfall nach der mittleren Reife lediglich eine Ausbildung und ein Paar Fachlehrgänge (Wochenendlehrgänge) absolviert haben, die in der Summe der Stunden nicht einmal annähernd die Hälfte der Ausbildungsdauer von technischen Fortbildungen oder gar der Ausbildung von technischen Assistenten ausmachen (und die bis zur EG 13 vergütet werden), ist diskriminierend. Ein Industriekaufmann hat bei uns ein Einstiegsgehalt nach EG 10 bekommen - ohne Weiterbildung. Da sind alle Relationen verloren gegangen. Insbesondere sind die technischen Ausbildungen i.d.R. ohne diese Möglichkeiten eindeutig diskriminiert, was dem Gleichbehandlungsgrundsatz eindeutig widerspricht.

Als technischer Assistent sollte man daher eine Anstellung im öffentlichen Dienst möglichst meiden. Genauso sollte man vermeiden, in eine Gewerkschaft wie verdi einzutreten, die für diese Berufsgruppe seit mehr als 25 Jahren nichts mehr getan hat. Ich glaube, 1992 gab es eine tarifliche Verbesserung für MTI (Meister, Techniker und Ingenieure). Auf Nachfrage bei der Gewerkschaft verdi (damals ÖTV), warum nicht für alle Arbeitnehmer eine Verbesserung angestrebt wurde kam zurück:"Ihr seid in einer der nächsten Verhandlungsrunden dran. Alle auf einmal geht nicht". Schön und gut, man war fast geneigt das zu glauben. Jetzt, eben diese besagten 28 Jahre später, wurden wieder die MTI bedacht. Für alle anderen technischen Berufe und die technischen Assistenten heißt es wieder einmal - Fehlanzeige. Mehr als ein Vierteljahrhundert absolut nichts. Die Wertschätzung technischer Assistenten ist von Gewerkschaftsseite und von der Seite der öffentlichen Arbeitgeber bei Null. Also, verdi lieber meiden wie der Teufel das Weihwasser und ggf. eine eigene Gewerkschaft gründen. Für technische Assistenten ist eine Mitgliedschaft bei verdi zweckfrei, daher bin ich auch aus der Gewerkschaft wieder ausgetreten. Eine weitere Anfrage bei verdi, ob für technische Assistenten ebenfalls Verbesserungen in der EGO zu erwarten sind, wurde zudem abschlägig beantwortet. Eine weitere Bestätigung für den Austritt, da sprechen auch die niedrigen Terifabschlüsse der letzten Jahre nicht dagegen. Angeblich war nie genug Geld dafür da und jetzt quellen die öffentlichen Kassen vor Geld über - aber wieder nicht für die Beschäftigten. Spart euch das Geld lieber. Eine Rechtsschutzversicherung, die auch Arbeitsrechtsschutz beinhaltet reicht völlig, ist aber auch dringend zu empfehllen.

Ich jedenfalls würde unter diesen Umständen nie mehr eine Stelle im Ö. D. annehmen. Ohne berufliche Entwicklungsperspektiven ist das auch nicht ratsam.

Im Downloadbereich biete ich ältere Klausuren und Unterlagen aus meiner Ausbildungszeit zur eigenen Beurteilung an, ergänzt um Klausuren einer Fachhochschule. Sicher könnte man hier ebenfalls beliebig ergänzen, jedoch denke ich, dass die partielle Darlegung der Fakten für bestimmte Fächer (Mathematik z. B. ist auch durch Außenstehende mit "minimalem" Grundlagenwissen nachvollziehbar) da durchaus aussagekräftig ist. Leider besitzen viele Verantwortliche diese Qualifikation selbst nicht, nur eine gehörige Portion selbstgefälliger Arroganz.

Bisher weigern sich viele Verantwortliche diese Fakten zur Kenntnis zu nehmen;  das Nachvollziehen der Argumente ist offensichtlich immer noch zu schwierig, trotz der Auswahl der am leichtesten nachvollziehbaren. Stattdessen werden immer die gleichen Plattitüden widergegeben, meist auch zusammenhanglos und ohne Bezug zu den Anfragen. Einfach armselig.

Und da wundern sich unsere lieben Politiker über sogenannte Politikverdrossenheit und Wählerstimmen für die AfD? Eine andere Möglichkeit haben die benachteiligten Normalsterblichen ja fast gar nicht mehr, wenn diese etwas verändern wollen. Wenn die Politik etwas für das normale Volk täte, würde sie den extremen Parteien die Existenzberechtigung entziehen.